Expertenmeinung
KI im Asset Management klingt oft nach Rendite aus der Steckdose. Prof. Tim Frenzel rückt den Hype im Gespräch mit Peter Heinrich zurecht: Mehr KI bedeutet nicht automatisch mehr Alpha. Sie hilft bei alternativen Daten, Textsignalen, Nachrichten, Audio, Video und Research-Tempo. Aber dauerhafte Outperformance bleibt Handwerk, Prozess und Erfahrung. Der belastbarere Hebel liegt für Frenzel im "Operational Beta": KI senkt Kosten, beschleunigt Prüfungen, macht Reporting dynamischer und kann aus 50 Broker-E-Mails pro Tag verwertbare Signale filtern. Aus dem Chatbot wird ein Agent: nicht nur Antwortgeber, sondern digitaler Mitarbeiter mit Werkzeugkasten. Genau deshalb braucht er Leitplanken, sogenannte „Harnesses“: Sie steuern Datenzugriff, Tool-Nutzung, Kosten, Quellenprüfung, Compliance und menschliche Freigaben. Der Mensch in der Kontrollschleife entscheidet, ob KI produktiv wird oder gefährlich. Je näher der Agent an echtes Kapital kommt, desto enger die Kontrolle. Auch die Kosten werden zur Kernfrage: Für eins plus eins braucht man keinen Doktoranden mit Token-Abrechnung. Frenzels Fazit: Modelle werden austauschbarer, der Wert liegt in eigenen Daten, Infrastruktur und Urteilskraft. Die USA bauen schneller, Europa kontrollierter. Gewinnen wird, wer beides verbindet.